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1. Viviane, du stehst kurz vor deinem Abschied aus dem PTA-Wohnheim. Mit welchen Gefühlen blickst du auf die letzten Tage zurück?
Es sind gemischte Gefühle. Einerseits bin ich erfüllt von Dankbarkeit für all die lehrreichen Erfahrungen und für die vielen bereichernden und prägenden Begegnungen. Gleichzeitig schwingt wegen des bevorstehenden Abschieds aber auch eine Traurigkeit mit.
2. Als du vor 7 Jahren bei der PTA angefangen hast: Kannst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag erinnern? Welche Eindrücke sind dir besonders geblieben?
Angefangen habe ich bei der PTA als Mitarbeiterin auf einer Wohngruppe. Ich erinnere mich noch gut an die Nervosität vor meinem ersten Arbeitstag. Besonders eingeprägt hat sich mir aber auch, wie schnell ich mich aufgehoben und wertgeschätzt gefühlt habe. Dafür verantwortlich sind sicher der starke Zusammenhalt und die familiäre Atmosphäre in der PTA – und dieses Grundgefühl ist bis heute dasselbe geblieben.
3. Was hat sich in deiner Zeit bei der PTA am stärksten verändert – sei es in der Institution, in der Arbeit oder bei dir persönlich?
Beruflich war für mich der Schritt von der Wohngruppe in die Geschäftsleitung am einschneidendsten. Obwohl ich in der neuen Funktion nicht mehr direkt mit den begleiteten Personen arbeitete, habe ich die Sinnhaftigkeit und die Wirkung meiner Arbeit immer unmittelbar gespürt. Das liegt sicher an der überschaubaren Grösse unserer Institution, aber auch daran, dass die Bedürfnisse der begleiteten Personen bei uns stets im Mittelpunkt stehen.
Persönlich war die Geburt meiner beiden Kinder die grösste Veränderung während dieser Zeit. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war nicht immer einfach, hat mich aber auch gelehrt, Prioritäten zu setzen und mich besser abzugrenzen.
4. Auf welches Projekt oder welche Entwicklung während deiner Tätigkeit bei der PTA bist du besonders stolz?
Es ist wichtig zu sagen, dass alle Entwicklungen immer das Ergebnis von einer guten Teamarbeit sind. Was mir grosse Freude bereitet hat, war die Umsetzung verschiedener Ideen im Bereich Hausdienst, etwa die Einführung von Standardmöbeln für die begleiteten Personen. Solche Massnahmen sind immer direkt sichtbar. Aber auch die Erarbeitung von Konzepten in Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitenden hat mir viel Freude gebracht.
5. Gibt es einen besonderen Moment oder ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung bleiben wird?
Was mir als erstes in den Sinn kommt ist eine Situation vor einigen Jahren, als unsere Wohngruppen reorganisiert wurden und unsere Bewohnenden deshalb in andere Zimmer umgezogen sind. Ich war für die Planung des Umzugs von unseren rund 50 Bewohnenden zuständig. Ich erinnere mich noch gut an die Nervosität vor der grossen Zügelei und ich zweifelte oft, ob wirklich alles aufgeht. Genauso gut erinnere ich mich an die Erleichterung, als alles reibungslos über die Bühne ging.
Besonders gerne erinnere ich mich aber auch an die «kleinen» alltäglichen Momente: An Begegnungen und Gespräche mit begleiteten Personen und Mitarbeitenden in den Ateliers und auf den Wohngruppen. Oder wenn man merkt, dass es jemandem gut geht und diese Person in ihrer Tätigkeit im Atelier aufblüht.
6. Was macht die PTA aus deiner Sicht aus? Was zeichnet die Institution und die Menschen hier aus?
Die Mitarbeitenden haben in der PTA einen sehr grossen Gestaltungsspielraum und neue Ideen werden offen aufgenommen und unterstützt. Ausserdem werden die Bedürfnisse und Anliegen unserer begleiteten Personen immer ernst genommen. Ich begegnete im Laufe meiner Zeit in der PTA vielen Mitarbeitenden, die nicht nur fachlich hervorragend qualifiziert sind, sondern die sich von ganzem Herzen für die begleiteten Personen engagieren. Und wir sind – bei aller Professionalität – wahnsinnig unkompliziert. (lacht)
7. Was wirst du am meisten vermissen?
Die Menschen, die in der PTA leben und arbeiten, bringen ganz viel positive und fröhliche Energie mit. Wir begleiten sie in allen Lebenslagen, durch Höhen und Tiefen. Obwohl alle ihre Herausforderungen mitbringen, die sie tagtäglich bewältigen müssen, herrscht in der PTA ganz viel Freude. In meiner neuen Tätigkeit als Suchtberaterin werde ich mich mit sehr schweren Lebensthemen beschäftigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich diese Leichtigkeit und diese Freude manchmal vermissen werde.
8. Worauf freust du dich nach deinem Abschied am meisten?
Ich freue mich, in eine für mich komplett neue Arbeitswelt einzutauchen und ganz viel Neues zu lernen. Und ich freue mich darauf, einen Tag mehr pro Woche mit meinen Kindern zu verbringen.
9. Welche Wünsche möchtest du der PTA für die Zukunft mit auf den Weg geben?
«Freude voraus» ist der Leitsatz der PTA Biel. Das sind nicht nur leere Worte, sondern die PTA lebt dieses Motto mit Leib und Seele. Für mich bedeutet der Satz, dass man Herausforderungen, die es immer gibt, annimmt, und trotzdem die positive Grundeinstellung nie verliert. Auch die Umsetzung des Bauprojekts «PTA-Village» wird noch zahlreiche Herausforderungen mit sich bringen. Ich wünsche mir aber für alle begleiteten Personen und die Mitarbeitenden, dass die Freude und die Vorfreude auf das, was kommt, in diesem Prozess immer im Vordergrund stehen wird. Und selbstverständlich wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass es unseren Bewohnenden weiterhin gut geht.
10. Was möchtest du deiner Nachfolgerin mit auf den Weg geben?
Ich hoffe, dass sie mit viel Freude in ihre neue Aufgabe eintauchen kann. Ich weiss jetzt schon, dass sie mit offenen Armen willkommen geheissen wird.